Weltwunder Great Barrier Reef

Leben und Sterben in der Coral Sea

Über 2.300 Kilometer erstreckt sich die größte tropische Korallenriff-Kette der Erde vor der Ostküste Australiens (Foto oben: Luftaufnahme).  Das Korallenmeer ist die Heimat von über 8.000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten. Eine einzigartige Gemeinschaft von Fischen, Schnecken, Muscheln und Algen. Doch das Weltnaturerbe Great Barrier Reef kämpft ums Überleben: durch den Klimawandel sterben die Riffe immer schneller.

Einsatz am Riff: Peter Hain (links) hilft Wissenschaftlern bei ihren Forschungen. Und 20 Jahre danach bewies Klaus Hasselmann (89), der neue Nobelpreisträger für Physik, dass der Klimawandel von uns Menschen gemacht ist

Einsatz und Forschung im Schutzgebiet „Marine Park“ 

Forschung am Korallenriff: In den Ferien jobbte Peter Hain oft in diesem australischen Meeresschutzgebiet, in dem es auch zahlreiche unbewohnte Inseln gibt, Brutreviere für Schildkröten und Vögel

Schon lange kämpfen die
Unterwasser-Paradiese
ums Überleben

Mit am schlimmsten betroffen ist das australische Korallenmeer nördlich der Touristenstadt Port Douglas: Dort sind schätzungsweise bereits 70 Prozent der Flachwasserkorallen abgestorben. Korallen sind sensible Organismen, die nur in bestimmten Temperaturbereichen existieren können. Sie gehen eine Symbiose mit einzelligen Algen ein, von ihnen erhalten sie auch ihre Färbung. Nimmt die Wassertemperatur zu, stoßen die Korallen die Algen ab und verlieren damit auch ihre Farbe. Sie erbleichen, sie sterben. Auch das Meeresschutzgebiet „Marine Park“ (Marine Protected Area, MPA) ist davon betroffen: Hier erforschte Peter Hain (Fotos oben links) mit Wissenschaftlern der James-Cook-University schon Mitte der 90er-Jahre den Zustand der Riffe. Schon damals hatte sich dort die Unterwasserwelt stark verändert, es gab die ersten Korallenbleichen.

Korallen-Skelette: Ein trauriges Beispiel für die Zerstörung unseres Planeten ist das weltweite Sterben der Korallenriffe. Zwei Drittel der Meeresumwelt haben sich sehr stark verändert, rund eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht (Studie der Vereinten Nationen). Korallen, die Baumeister der Meere: Kleine Polypen, die Kalk produzieren. Aus den Ablagerungen entstehen in Jahrmillionen riesige Riffe.

Panik im Paradies
Vierte Korallenbleiche in Australien

Eine monatelange Hitzewelle hat dem Great Barrier Reef in Australien sehr stark zugesetzt. Rund 90 Prozent des größten Riffsystems der Erde wiesen Ende Mai eine große Korallenbleiche auf. Das extrem heiße Wetter habe das Meerwasser immer weiter erhitzt, heißt es in einem aktuellen Report der „Great Barrier Reef Marine Park Authority“. Deswegen sind die Korallen so gestresst, dass sie die für die Färbung sorgenden Algen abstoßen, mit denen sie zusammenleben. Folge: Sie bleichen aus.  Betroffen seien zahlreiche Riffe in allen Regionen.

Es handelt sich bereits um die vierte Massenbleiche seit 2016. „Die geschädigten Korallen können sich nur wieder erholen, wenn die Wassertemperaturen abkühlen“, berichtet die Meeresbiologin Madeleine von Oppen (Melbourne University). „Doch je öfter sie ausbleichen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Teile des Riffs noch mehr geschwächt werden und für immer absterben.“ Noch in diesem Sommer will das Welterbe-Komitee der Unesco entscheiden, ob das Great Barrier Reef als „gefährdet“ eingestuft werden soll. Bisher gilt für die australische Regierung das Reef als „nicht gefährdet“. Allerdings laufen auch Schutzmaßnahmen, um das Unterwasserparadies zu retten.

Boulevard-Zeitung SonntagExpress in Köln, 14. Dezember 1997

Vor 25 Jahren berichtete ich
schon über das Korallensterben

Damals schrieb ich eine aktuelle Reportage (siehe oben) über das Sterben der Unterwasserparadiese und seine Ursachen. 1997 wurde sogar zum „Internationalen Jahr der Koralle“ erklärt. Doch seitdem haben sich die Zustände katastrophal verschlechtert. Die Probleme sind bekannt. Es laufen viele Rettungsprogramme: Gesunde Korallenlarven sollen helfen, ausgebleichte Riffe neu zu besiedeln.  „Doch entscheidend ist die Kohlendioxid-Emissionen zu senken“, sagt Sebastian Ferse, Korallenriff-Ökologe am Bremer Leibniz-Zentrum.

Titelseite der neuen Ausgabe: modernes Layout, zukunftsorientierte, allgemeinverständliche Themen. Was die Cover-Illustration darstellt? Erraten: einen Fisch, der Vielfältigkeit suggerieren soll – wie das Magazin! Vermutlich handelt es sich um einen sogenannten Info-Flosser, erst kürzlich entdeckt. Eine neue Art, Familie Buntbarsch, Unterart grüner Diskus

Das neue leibniz-magazin
Schwerpunkt „Vielfalt & Einheit“

Sex bei den Fischen –
mal so, mal so …

„Die Menschen sind verschieden,
doch die Wahrheit ist eine,
und alle, die sie suchen, auf welchem
Gebiet es sei, helfen einander.“

Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646 – 1716)
Philosoph, Politiker, Forscher

In diesem Sinne publiziert die Leibniz-Gemeinschaft ihr Magazin. Sie ist mit ihren bundesweit 97 Instituten eine der vier großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen Deutschlands. So beispielsweise das Leibniz-Zentrum für marine Tropenforschung (ZMT), das in der Korallenriff-Forschung führend ist.    

„Je mehr wir uns mit dem Thema Vielfalt befasst haben, desto überraschter waren wir, wie oft sie mit Einheit einhergeht: Bräuche, Werte und Interessen verbinden Menschen, Milliarden Bakterien halten unsere Körper am Laufen, die Ökosysteme, das Klima, die Arten – in der Natur ist fast alles mit allem verbunden“, so das Vorwort der Redaktion.

Als „Hobby-Riffforscher“ mein Top-Thema im Heft: „Riffreport: Die Fortpflanzung der Fische“. Es geht um Geschlechtsbestimmung – weiblich, männlich, beides – oder: mal so, mal so. Intimer Einblick in das Sexleben der Flossentiere. Ebenso informativ: Wie sieht die neue Weltordnung aus?, Die Zukunft der Landwirtschaft oder Natursammlungen des Leibniz-Instituts. Viele aktuelle Nachrichten wie z. B.: Obwohl der Bestand der Finnwale durch erbarmungslose Jagd dezimiert wurde, gibt es keine Anzeichen von Inzucht oder Genmutationen (so die Leibniz-Forschung). Doch nach wie vor ist das zweitgrößte Tier der Welt auf der Roten Liste als gefährdete Art eingestuft.

Infos: www.leibniz-magazin.de, kostenloses Abo: abo@leibniz-gemeinschaft.de, leibniz auf facebook: www.facebook.com/leibniz-gemeinschaft

Forschung können Sie jetzt auch hören:
Entdecken Sie die Podcasts der Leibniz-Gemeinschaft:
www.leibnitz-gemeinschaft.de/tonspur-wissen und
www.leibniz-gemeinschaft.de/datascientist

Aktueller Roman „Interview mit einem Delfin, die Geschichte der Meeressäuger“. Erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2023. Titelschutz/Copyright Peter Hain

Neues Buchprojekt über Delfine,
die „Menschen der Meere“

Als ich Philippe Cousteau bei einer Buchpräsentation traf, fand ich wieder den Mut, mein Buch über Delfine endlich zu realisieren. „Schreiben Sie Ihre Story, die Delfine sind die Menschen der Meere“, meinte der Enkel des weltberühmten Delfinforschers Jacques-Yves Cousteau. Philippe ist ebenfalls Ozeanforscher, schreibt Bücher über das Meer und seine Geschöpfe („Ozeane für dummies“, Verlag Wiley). „Delfine sind unsere marine Verwandtschaft“, meinte er, „und ihr Schicksal ist auch das Schicksal der Meere, der ganzen Menschheit“. Auch sein Großvater, der berühmte Filmemacher und Ozeankenner, wird in meinem Roman einen gebührenden Platz haben. Es sind dramatische Geschichten von der Antike bis heute über unsere Freunde, die gejagt, getötet und immer noch in Delfinarien gequält werden. Artgerecht gehalten? Artgerecht ist Freiheit in den endlosen Weiten der Ozeane!

Titelseite der neuen Delphinpost. Gestaltung: Lena Wurm, Redaktion: Mathias Hansen und Verena Platt-Till. Mitarbeit: Martina Alt, Anna Fernandez, Angelika Gebhard, Annette Gerdes, Jessica Henke, Klaus Heyser, Lydia Martin, Sigmar Solbach. Weitere Infos: info@delphinschutz.org, www.delphinschutz.org

Jetzt noch aktueller und informativer

delphinpost im neuen Design

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) hat ihr Vereinsmagazin delphinpost grafisch neu gestaltet. Die 16-seitige Digital-Ausgabe präsentiert sich jetzt moderner und zeitgemäßer, ist noch lesefreundlicher geworden. Das neue Zeitschriften-Design war auch überfällig. Die Newsletter der GRD-Diplombiologin Verena Platt-Till und die Berichte ihrer Kollegen wurden noch einmal gestrafft, detaillierter veröffentlicht. Außerdem gibt es viele Mitmach-Angebote. Motto: „Gemeinsam kämpfen wir für den Delfin- und Meeresschutz!“

Rollo Gebhard, dem GRD-Gründer, würde die neue Ausgabe bestimmt gefallen. Schade, dass er mit keinem Wort erwähnt wurde. Bitte vormerken: Am 27. Dezember 2023 jährt sich sein Todestag zum 10. Mal. Auch die früheren Paper-Ausgaben waren gut gemacht. In meinem Delfin-Archiv fand ich die delphinpost-Ausgabe Nr. 1/2016: Die Themen „Delfinschutz in der Adria“, „Weniger Plastik – Meer Leben“ und „Geisternetze töten weiter“. Ja, die alten Probleme sind nach wie vor dieselben!

Einspruch zur Ausgabe 01/2022:

Der einzelne Bürger soll hauptverantwortlich
für den Plastikmüll im Meer sein?

Nicht nachvollziehbar ist im neuen Heft das Ergebnis der GRD-Umfrage „Plastifizierung der Ozeane: Wer ist hauptverantwortlich?“. Fast die Hälfte aller Befragten (49 Prozent) sind der Meinung, dass jeder einzelne Bürger hauptverantwortlich für die Plastikvermüllung der Ozeane sei. Dann folgen Industrie und Wirtschaft mit 30 Prozent, die Politik mit 21 Prozent. Ich meine, da wird wieder jeder (Du und ich) verantwortlich gemacht. Der Bürger soll sich schuldig fühlen (Greta-Komplex!). Das klingt so, als wenn 49 Prozent aller Russen für den Ukraine-Krieg hauptverantwortlich wären.

Fakt ist, dass die Chemiekonzerne mit ihren Plastikprodukten die Ozeane vermüllen. Auch skandalös die Verschmutzung der Meere durch die Öl- und Gasbohrungen, die gigantischen Offshore-Windanlagen in der Nordsee und jetzt der Bau eines riesigen Flüssiggas-Terminals in Wilhelmshaven. All das wird die Fauna und Flora der Meere schwer schädigen. Info dazu: Skandal-Akte Plastikmüll (Doku über den achtlosen Umgang  mit Plastik) in der ARD-Mediathek.

Energie-Gewinnung zu Lasten des Artenschutzes? Verantwortung tragen da hauptsächlich die Politiker. Und Vereinsblätter sollten bei nicht-repräsentativen Umfragen besser die wahren Plastikmüll-Verursacher kritisieren.

Die Wunderwesen der Ozeane, 189mal porträtiert, oft in Seitengröße: „Das geheime Leben von Oktopus, Seepferdchen und Qualle“, Bruckmann Verlag, München 2022, 256 Seiten, 36,99 Euro, ISBN 9-783866908017

Das Meer-Buch des Sommers
Oscarreif fotografiert:
Die Stars der Korallenriffe

Oktopus, Seepferdchen, Qualle: Außergewöhnliche Meeresbewohner, die meistens an tropischen Korallenriffen leben. Diese Geschöpfe sind in freier Natur aus der Nähe nur selten zu beobachten, daher auch schwer zu fotografieren. Doch David Liittschwager von National Geographic schaffte es, diese Tiere und ihr geheimes Leben mit der Kamera einzufangen. Im Buch zeigt er das Ergebnis von jahrelangen Recherchen und 135.000 Aufnahmen, aus denen die besten 189 Bilder jetzt veröffentlicht wurden.

Die Körper und die ätherischen Bewegungen von Oktopus, Seepferdchen und Quallen hat er oscarreif fotografiert. Seine Einsätze waren weltweit an Korallenriffen, in Aquarien und Forschungslaboren. Unterstützt wurde Littschwager von den Journalistinnen Elizabeth Kolbert, Jennifer Holland und Olivia Judson. „Leider ist der Lebensraum dieser Geschöpfe durch den Menschen sehr bedroht. Zu den Gefahren für die Unterwasserwelt gehören insbesondere die globale Erwärmung und der Plastikmüll“, schreibt Kolbert im Vorwort. „Daher brauchen all diese wundervollen Lebewesen unseren Schutz.“

Unfassbare Vielfalt in den Meeren: Es gibt 300 Tintenfischarten, 47 Seepferdchenarten und Tausende von Quallenarten. Hier ein „Capricorn Night Octopus“ am Great Barrier Reef. Ein Supertyp, eine intelligente Lebensform der anderen Art. Tintenfische sind kommunikationsfähig, neugierig und feinfühlig, erkennen Menschen wieder. Wissenschaftler sprechen davon, dass diese Tiere ein Bewußtsein haben (Foto: Bruckmann/David Liittschwager)

Es sind nicht allein die fantastischen Aufnahmen, sondern auch die einfühlsamen, fachkundigen und verständlichen Infotexte über die Meeres-Stars. So Judson über den Oktopus, Holland über die Seepferdchen, Kolbert über die Quallen. Und immer wieder diese herrlichen Tierfotos. Für den Rezensenten ist es das Meer-Buch des Sommers. Beste Lektüre im Urlaub. Auch ein wertvolles, informatives Geschenk für die Freunde der Ozeane und ihrer gefährdeten Bewohner.  

Jährlich sterben Hunderttausende von Meerestieren durch sogenannte Geisternetze. Sie wurden von Fischern nicht wiedergefunden oder weggeworfen. Die Tiere verheddern sich in ihnen, sterben langsam und qualvoll. Diese Netze sind meist aus Kunststoffen, verrotten erst nach Jahrhunderten. Die GRD fordert daher Netze aus biologisch abbaubaren Materialien, die mit akustischen Signalgebern ausgestattet sind, damit sie bei Verlust geortet und eingesammelt werden können. Rechts: Weltumsegler Rollo Gebhard und seine Frau Angelika auf ihrem Schiff „Solveig III“
Das Meer der Erinnerungen: 1994 besuchte Journalist Peter Hain (links) das Ehepaar Gebhard an seinem Wohnort am Tegernsee. Rollos legendäres Buch „Seefieber“ ist wieder erhältlich. Die anhand von Tagebuch-Aufzeichnungen und Original-Manuskripten komplett überarbeitete Neuausgabe erlaubt dem Leser das intensive Miterleben, wie ein Mann ohne alle technischen Hilfsmittel seinem Traum folgt und auf einer kleinen Holzjolle eine Reise voller Entbehrungen wagt. www.delfin-laden.de

Neue Serie (1):
Das Meer der Erinnerungen

Weltumsegler Rollo Gebhard:
Großes Herz für gefährdete Delfine

Am 7. Juli 2022 wäre Rollo Gebhard 101 Jahre alt geworden. Er war der erste Deutsche, der zweimal einhand in einem nur 7,30 Meter langen Segelboot die Welt umrundete. Rollo zählt zu den legendären Abenteurern der Meere, gilt als Pionier im Delfinschutz: 1991 gründeten er mit seiner Frau Angelika die „Gesellschaft zur Rettung der Delphine“ (GRD). Er starb Ende 2013 im Alter von 92 Jahren.

Der Delfinschutz war für das Paar eine Herzensaufgabe, vor allem nach der gemeinsamen dritten Weltumseglung, zuletzt eine halbjährige Non-Stop-Fahrt von Australien nach Ostfriesland. Ausschlaggebend für Rollo waren seine furchtbaren Reiseerlebnisse, vor allem die Massaker an Delfinen: „Jedes Jahr kommen durch mafiöse, zerstörerische Hochseefischerei Hunderttausende Delfine, Wale, Robben, Haie, Schildkröten und Seevögel grausam und sinnlos ums Leben.“ Da wurde ich nach dem Interview GRD-Mitglied.

Rollos Motto überzeugte mich: „Um Hilfe können Delfine nicht rufen, aber wir können dafür sorgen, dass ihre Not nicht unbemerkt bleibt und dort Hilfe leisten, wo sie dringend gebraucht wird.“

Der Verein ist bis heute weltweit in Aktion und hat seine Projekte zum Schutz der Meeressäuger und ihrer Lebensräume erweitert. Die GRD finanziert sich durch Förderbeiträge und Spenden. Infos: www.delphinschutz.org. Rollos Schiff, die „Solveig III“, kann man heute im Schifffahrtsmuseum Bremerhaven bewundern. Alle Expeditionen finanzierte er selbst mit Büchern und Filmdokumentationen.

Das Wiki der Delfine und Wale

Auf der website wiki.delphinschutz.org startete die GRD jetzt einen umfangreichen Artenführer für Wale und Delfine. Das virtuelle Lexikon der Diplom-Biologin Verena Platt-Till listet 92 Delfin- und Walarten und informiert über deren Populationsentwicklung, Verbreitungsgebiet, Gefährdungsstatus und Aussehen. Super Aktion der GRD, die eine beispielhafte Geisternetz-Bergung vor Rügen durchführte: Es gelang, ein Schiffswrack von gefährlichen Netzen zu befreien sowie mehr als eine Tonne an ehemaligen Fischernetzen zu bergen. Ermöglicht wurde die erfolgreiche Aktion durch den großen Einsatz von sieben ehrenamtlichen Sporttauchern unter der Leitung von Wolfgang Frank. Damit gelang ein wertvoller Beitrag zum Schutz der marinen Artenvielfalt in der Ostsee. Die Teilnehmer wurden unterstützt von der Deutschen Postcode-Lotterie und dem Reiseportal Ostsee24.de. Die nächste Geisternetzbergung der GRD ist für den Spätsommer 2022 geplant. Es gibt auch Termine für Workshops für Sporttaucher.

Stoppt die Plastikflut: Der WWF arbeitet weltweit mit Menschen, Unternehmen und Politik zusammen, um die Vermüllung der Meere zu stoppen. So auch mit der Spendenaktion „Hilf unseren Meeren“ (wwf.de/plastikflut). Foto: wwf-Zeitungsanzeige/smartmedia

Wir haben die Schnauze voll
Die Meere voller Plastik

Das Mittelmeer gilt als Hotspot für Verschmutzung: Allein an der Oberfläche des Mittelmeers treiben laut einer aktuellen Studie derzeit 3.760 Tonnen Plastik. Wissenschaftler des Griechischen Zentrums für Meeresforschung (HCMR) ermittelten, dass jährlich rund 17.600 Tonnen Plastik im Mittelmeer landen. Die Folgen sind katastrophal: Tiere verschlucken Plastikmüll oder verstricken sich darin. Lebensräume werden durch Plastikmüll gestört. Die menschliche Gesundheit leidet unter der Chemikalienbelastung über die Nahrungskette. Auch die Küstenregionen und Strände sind von Plastikmüll immer stärker belastet. Am häufigsten von Getränkeflaschen, Verschlüssen und Deckeln. Tüten und Verpackungen für Chips und Süßigkeiten. Hygieneartikel wie Feuchttücher oder Tampons, Plastiktüten, Getränkebecher und Lebensmittelverpackungen.   

Stark gefährdet, aber leider NICHT geschützt: Der Banggai-Kardinalbarsch wurde trotz vieler Anträge bei CITES nicht gelistet. So kann der Bewohner der Korallenriffe weiterhin problemlos und ohne Kontrollen gehandelt werden. Die farbenreichen Riffbarsche zählen zu den artenreichsten Gattungen, leben vor allem in den viel verzweigten Korallenstöcken. Der Banggai ist ein sehr beliebter Fisch für Seewasseraquarien, für FFW eine Art Symboltier.

Stoppt das Fangen von Korallenfischen!

Meeresschutzprojekte
der Stiftung Fondation Franz Weber

Fast alle Korallenstöcke und Korallenfischarten, die im internationalen Handel erhältlich sind, stammen aus der Wildnis. Bei Fang und Transport können bis zu 80 Prozent der Meerestiere sterben, bevor sie ein Aquarium erreichen.

Die 1991 gegründete Fondation Franz Weber (FFW) bekämpft die Plünderung der Ozeane mit vielen Schutzprojekten. So setzte sich die Stiftung aus Bern erfolgreich gegen den Bau eines Großaquariums vom Zoo Basel ein. Oder sie unterstützte Bestrebungen gegen ein geplantes SharkCity in Deutschland, das Haie aus aller Welt zeigen wollte. Zudem fördert FFW mit einer „Gran Seaflower“-Kampagne die Pläne von sechs Karibikstaaten, um die Tierwelt und das dortige Ökosystem des einzigartigen Naturerbes zu retten. Präsidentin der vorbildlichen Stiftung ist Vera Weber, die Tochter des berühmten Umweltschützers Franz Weber. Sie prägt die FFW in ihrem eigenen Stil, aber ganz im Sinne und Geist ihres Vaters.

FFW-Meeresschutz-Projekte: so die Artenvielfalt und die Ökosysteme der Ozeane schützen und erhalten. Dazu gehören auch vom Aussterben bedrohte Fischarten, wie der Banggai-Kardinalfisch, Aufnahme weiterer bedrohte mariner Zierfische in die Anhänge des UNO-Übereinkommens CITES oder Regulierung, Kontrolle und Überwachung des marinen Zierfischhandels für die Aquarien-Industrie. Hauptprojekt ist „Gran Seaflower“, ein riesiges Korallenriff gleichen Namens in der Karibik im Zentrum der Inselgruppe San Andrés. Hier versucht FFW mit NGOs vor Ort und im Dialog mit Politikern (u. a. Kolumbien, Costa Rica, Nicaragua), das hochgefährdete Riff zu retten. Weitere Infos: www.ffw.ch/de/projekte/meeresschutz/

Von Überschwemmungen bedroht: Die Menschen des Pazifischen Ozeans, hier auf einer Briefmarke der Cook Islands

Das Meer und der Mensch

Fast drei Viertel der Erde sind mit Wasser bedeckt. Doch wie kann man die gefährdeten Ozeane schützen? Warum sind die Meere so wichtig? Die meisten Menschen leben ja schließlich an Land. Sieben Gründe, warum wir die riesigen Wasserflächen brauchen:

1. Ohne Meer gäbe es kein Leben auf unserem Planeten. Die ersten Lebewesen entstanden vor etwa drei Milliarden Jahren in den Ozeanen.
2. Ohne Meere könnten wir nicht atmen. Pflanzen erzeugen Sauerstoff: Knapp jeden zweiten Atemzug verdanken wir pflanzlichem Plankton aus dem Meer.
3. Die Meere bremsen den lebensbedrohlichen Klimawandel. Wir pusten das Gas CO2 in die Luft, Teile davon speichern die Meere und verlangsamen so die fortschreitende Erderwärmung.
4. Ohne Ozeane würde es viel weniger regnen. Ein großer Teil der Wolken besteht aus verdunstetem Meerwasser.
5. Fische ernähren Millionen Menschen. Das ist in Gefahr: In zwei Jahrzehnten könnte es im Meer mehr Plastik als Fische geben.
6. Die Meervölker verlieren ihre Heimat. Immer mehr Inseln in der Südsee werden durch den steigenden Meeresspiegel überflutet.
7. Ozeane gleichen Wärme und Kälte aus. In den Tropen heizt die Sonne das Meerwasser auf. Strömungen ziehen es in den Norden. Auf dem Weg gibt das Wasser Wärme an die Umgebung ab – wie eine Heizung.

Während die Menschheit an ihre Grenzen stößt, hat Gaia längst die Antwort parat: Homo aquaticus, eine amphibische Neuauflage des Menschen: „Welt unter“, ISBN 978-3-96509-061-3, 528 Seiten, 20 Euro, www.golkonda-verlag.com

Rezension zum aktuellen Klimathriller

Eine neue Menschenart,
die im Meer lebt?

„Liegt im Klimawandel auch eine große Überlebenschance für die Menschheit? Hat die Natur für uns einen Plan B?“, fragt Thor Kunkel im Vorspann seines neuen Romans „Welt unter“ und gibt auch gleich die Antwort: Ja, alles ist möglich!

Die Story: Als die Umweltaktivistin Freya auf Grönland eintrifft, ahnt sie nicht, dass sie dort inmitten von Inuit-Siedlungen die Entstehung einer neuen Welt miterleben wird. Denn während Eurasien im Hochwasser versinkt, hat die Natur längst eine Lösung parat: Menschen, die – mit Kiemen geboren – in der Lage sind, unter Wasser zu atmen. Auch der Hydrotechniker Frodo gehört zu diesen ersten Mutanten, einer neuen, wasseraffinen Menschenart.

Steigender Meeresspiegel, sonnenverbrannte Erde, Klima- und Hungerflüchtlinge, Krieg um Rohstoffe. Ist die Flucht ins Urelement Wasser die Rettung? Immerhin bestehen zwei Drittel unseres Planeten aus Wasser, in den Ozeanen entstand alles Leben, die Artenvielfalt ist dort am größten. Die intelligenten Delfine gelten als „Menschen der Meere“. Vielleicht lernen wir dann ihre Sprache, sie geben uns wertvolle Tipps. Auch beruhigend, dass im Roman die Liebe zwischen Frau und Mann bleibt – Freya ist keine „Meerjungfrau“, küsst oft und gern. Ein visionärer Thriller, handlungsaktiv, belegt mit wissenschaftlichen Fakten. Beeindruckend die starken Dialoge. Jetzt im Sommer sollte man „Welt unter“ am Ort der Zeitauflösung lesen: dem Meeresstrand! Und dann ab ins Wasser!

Waterworld-Themen sind in

Gerade wird im australischen Queensland am Great Barrier Reef „Nautilus“ mit Kapitän Nemo neu verfilmt. Und auch Kunkels „Welt unter“ bietet starken Filmstoff.

Zur Person

Thor Kunkel, Jahrgang 1963, geboren in Frankfurt/Main, gilt als „kreativer Erzähler mit unglaublicher Sprachkraft“. Preisgekrönt sein Debütroman „Das Schwarzlicht-Terrarium“. Einige Bücher wurden für Bühne und Hörfunk bearbeitet. 2018 verfilmte Oskar Roehler „Subs“ unter dem Titel „Herrliche Zeiten“. Kunkel studierte Kunst, war für internationale Werbeagenturen tätig. Zudem engagiert er sich für humanitäre Hilfsorganisationen. www.thor-kunkel.com

Stark gefährdet: Schweinswale, auch Kleine Tümmler genannt. Sie gehören zur Familie der Zahnwale, sind mit Delfinen verwandt, die einzige in Deutschland heimische Walart. Schweinswale leben ganzjährig in Nord- und Ostsee. Sie erreichen eine Länge von bis zu zwei Meter, werden 60 bis 75 Kilo schwer (Foto: AVampireTear / http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Wildtier des Jahres 2022:
Die Schweinswale der Nord- und Ostsee

„Schweini“ darf nicht sterben!

Die Deutsche Wildtier-Stiftung (DWS) hat den gewöhnlichen Schweinswal zum „Tier des Jahres 2022“ ausgerufen. „Mit der Wahl machen wir auf die großen Probleme des heimischen Meeressäugers aufmerksam“, sagt DWS-Vorstandschef Klaus Hackländer. Auf Deutschlands Roter Liste werden Schweinswale als „stark gefährdet“ geführt. Die Gründe: Immer mehr Tiere verenden als Beifang in den engmaschigen Stellnetzen der Fischer. Die Schweinswale, die überwiegend in flachen, küstennahen Meeren und Flussmündungen ganzjährig leben, sind auch bedroht durch Überfischung und Pestizide im Wasser. Hinzu kommen Lärmquellen wie Bauarbeiten zu Offshore-Windkraftanlagen, bei denen Stahlpfähle in den Meeresboden gerammt werden. Auch militärische Sprengungen und Altmunition machen den Tieren schwer zu schaffen. Und viele Miniwale verfangen sich in alten Fischernetzen, ersticken jämmerlich. Hackländers Appell: Schweini darf nicht sterben! Wer helfen möchte: Rettungsinitiative „Schweinswale e.V.“ walschutz.org

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